Die Autoren Leseprobe Presse
Martin Baer/Olaf Schröter

EINE KOPFJAGD 
Deutsche in Ostafrika - Spuren kolonialer Herrschaft

224 Seiten, 66 Abbildungen
Klappenbroschur, 16,5 x 23,5 cm
Ch. Links Verlag    ISBN 3-86153-248-4
20.50 EUR     36.80 sFr 

In Ostafrika, dem heutigen Tansania trieben die deutschen Kolonialherren vor rund 100 Jahren den aufständischen Häuptling Mkwawa nicht nur in den Tod, sondern trennten ihm noch den Kopf ab, um diesen als makabre Trophäe nach Deutschland zu schicken.

Weit über das Ende des deutschen Kolonialreiches hinaus beschäftigte der Kopf des toten Häuptlings europäische und afrikanische Regierungen. 
1919 verfügten die Alliierten im Artikel 246 des Versailler Vertrages die Rückgabe von Mkwawas Überresten an das Volk der Wahehe, aber erst nach einem halben Jahrhundert kehrten sie 1954 aus Bremen nach Tansania zurück.

Vor dem Hintergrund dieser Kopfjagd erzählen Martin Baer und Olaf Schröter die Geschichte der ehemaligen deutschen Kolonie in Ostafrika: von der Eroberung eines „Platzes an der Sonne", über die Kämpfe im Ersten Weltkrieg, die Kolonialnostalgie in der Weimarer Republik, die nationalsozialistischen Weltmachtpläne bis hin zur Entwicklungspolitik beider deutscher Staaten. Während ihrer Recherchen sind die Autoren zugleich auf ungewöhnliche Geschichten gestoßen, die bislang kaum bekannt sind, etwa zum größten Dampfschiff Afrikas, oder zum Ursprung der braunen Hemden der Nationalsozialisten.

Eine Kompanie der deutschen Schutztruppe in Ostafrika beim Vormarsch gegen Aufständische

 

Besuch des späteren Präsidenten von Tansania, Nyerere bei Bundespräsident Lübke im Januar 1961 in Bonn

Martin Baer

Jahrgang 1963, ging in West-Berlin zur Schule. 1982-1983 Fahrradreise durch Osteuropa und den Mittleren Osten, anschließend Touristenführer in Bangui/Zentralafrikanische Republik. 1984-1987 Filmschule in Berlin.

Regiearbeiten: „Jenseits von Ägypten", 1989 (mit Jürgen Schulz); "Rudolph Marcks und das Kreuzberger Salon-Orchester", 1990; "Mit der Lizenz zum Töten" / "With a license to kill", 1991; "Tanz mit dem Tod", 1992; "Befreien Sie Afrika!", 1999.

Olaf Schröter

1961 in Berlin geboren. Studium der Nordamerikanistik und Germanistik an der FU Berlin, 1993 Promotion über Ernst Jünger. 1994-1996 Autor und Entwickler in einem interdisziplinären kulturhistorischen Multimediaprojekt. Seit 1996 freier Autor und Übersetzer u.a. für Ravensburger Buchverlag Otto Maier und Wilhelm Heyne Verlag.

Veröffentlichungen: „Es ist am Technischen viel Illusion", Berlin 1993; „Von den Titanen zur Titanic". In: Friedrich Strack: „Titan Technik", Würzburg 2000.

Leseprobe

Der »African Queen«-Dampfer -
ein Erbe der deutschen Kolonialherren

Noch heute legt die "Liemba" jede Woche rund 650 Kilometer auf dem Tanganjikasee im Westen Tansanias zurück.  Es ist das letzte von zahlreichen Dampfschiffen, die einst unter deutscher Flagge die großen Seen Afrikas befahren haben.


Der "African Queen" - Dampfer

Die "Liemba" wurde in der berühmten Meyer-Werft in Papenburg an der Ems gebaut, nach der Fertigstellung jedoch gleich wieder zerlegt und 1914 in 5 000 Kisten verpackt nach Daressalam, der Hauptstadt der deutschen Kolonie in Ostafrika, verschafft.  Von dort ging es mit der neuen Zentralbahn Richtung Tanganjikasee weiter.  Den letzten Teil der Strecke mußten die Kisten des 800 Tonnen schweren Dampfers von afrikanischen Trägern über Land geschleppt werden.  In Kigoma wurde er dann unter der Leitung von drei mitgereisten Ingenieuren in einer eigens dafür errichteten Werft wieder Stück für Stück zusammengesetzt, um schon bald unter dem Namen "Graf Götzen" als Flaggschiff der Deutschen aber den See zu stampfen und die Grenze zum belgischen Kongo zu sichern.  Das ganze Unternehmen kostete das Deutsche Reich rund 750 000 Mark.

 

 

Berühmt wurde die "Graf Götzen" als Vorbild für das Kanonenboot "Louisa", das Humphrey Bogart und Katharine Hepburn in dem legendären Film "African Queen" nach dem gleichnamigen Roman von C. S. Forester versenkten.  Ihr tatsächliches Schicksal war etwas weniger spektakulär, aber dafür um so kurioser.  Mit einem großen Geschütz und zwei weiteren kleineren Kanonen ausgestattet, begab sich die "Götzen" am 9. Juni 1915, gerade fertig zusammengebaut, zum ersten Mal auf die Fahrt ins südlich gelegene Bismarcksburg und versenkte zehn Tage später einen kleineren englischen Dampfer.  In der Folge diente sie General Paul von Lettow-Vorbeck, Kommandeur der Schutztruppen in Deutsch-Ostafrika, zu Truppenverlegungen.  Ein Jahr später wurde die "Götzen" im Hafen von Kigoma von belgischen Flugzeugen angegriffen und beschädigt.  

Als die deutschen Truppen Kigoma aufgeben mußten, versenkten sie das Schiff heimlich an einer seichten Stelle im trüben Wasser einer Flußmündung.  Man hoffte, das Schiff nach dem Krieg wieder bergen zu können.  Doch die Tage der Deutschen in Ostafrika waren gezählt, und der Dampfer blieb zunächst auf dem Grund liegen.  Die Belgier, die das Gebiet nach 1918 verwalteten, fanden den ehemals so stolzen Dampfer, hoben ihn und schleppten ihn in den Hafen von Kigoma.  Hier aber sank er zum Entsetzen aller erneut.  Erst den Briten, die 1922 das Mandat über die ehemalige deutsche Kolonie übernahmen, gelang die Bergung.  Sie investierten drei Jahre Arbeit und 30000 englische Pfund, um den aus dem Dornröschenschlaf geweckten Dampfer wieder flott zu machen.  Am 16. Mal 1927 wurde er auf den Namen "Liemba"“, getauft und bestand seine zweite Jungfernfahrt.

Der heute wohl dienstälteste Dampfer verbindet wöchentlich Kigoma im Norden und Kasanga im Süden des Tanganjikasees - eine Strecke von 650 Kilometern, auf der die alte "Graf Götzen", mit Kanonen herrschte und als "Liemba" nun in friedlicher Mission unterwegs ist.

Ankunft eines Dampfers der Reederei Woermann in Daressalam

Presse

Im Juni 2007 erschien eine lesenswerte Rezension des Buchs auf www.freiburg-postkolonial.de

Die ZEIT schrieb schrieb im Sep. 2001 über das Buch:

Odyssee eines Schädels - Die dunklen Seiten der Deutschen 
Von Thomas Morlang

Der Titel des Buches spielt auf den langjährigen Widerstandskampf des Hehe-Sultans Mkwawa gegen die deutschen Kolonialherren in Ostafrika an. Ihm gelang es, der "Kaiserlichen Schutztruppe" mehrere empfindliche Niederlagen beizubringen, bevor er sich 1898 selbst erschoss, um nicht in die Hände der Deutschen zu fallen. Ein Kolonialoffizier ließ dem Toten den Kopf abschlagen und nahm ihn als Siegestrophäe mit. Artikel 246 des Versailler Friedensvertrages verpflichtete Deutschland zur Rückgabe des Schädels, doch erst 1953 konnte er im Bremer Überseemuseum ausfindig gemacht und den Hehe ausgehändigt werden. Die skurrile Geschichte über die Odyssee des Schädels dient den Autoren als Aufhänger, um die dunklen Seiten der deutschen Kolonialherrschaft zu beleuchten. Ein Kapitel widmet sich dem berüchtigten Kolonialkonquistador Carl Peters, ein anderes benennt die "Groß- und Untaten der deutschen Tropenmedizin". Auch die Legende Paul von Lettow-Vorbeck, der während des Ersten Weltkrieges die Kolonie gegen die Alliierten verteidigte, bleibt nicht ungeschoren. Ein gut lesbares Geschichtswerk, für ein breites Publikum geschrieben.

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